Kinder- und Jugendhilfe: Wohin geht die Reise?

03.03.2020 Martina Valentin,
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Wie müssen Unterstützungsangebote gestaltet sein, damit Kinder und ihre Eltern davon am meisten profitieren? Wie hat sich die Kinder- und Jugendhilfe entwickelt und wo soll es hingehen?

Zu Beginn der institutionellen Erziehung ging es vor allem darum, das Schlimmste zu verhindern. Ein Dach über dem Kopf und ausreichend Ernährung waren die Zielgrössen; das Heim mit vielen Plätze und einer eher unpersönlichen Versorgung war die Regel.

Schrittweise wurden die Institutionen persönlicher, und die Erziehung und Förderung rückten in den Fokus. Innerhalb von vorgegebenen Strukturen wurde mit den Kindern an der Zielerreichung gearbeitet – im Kontakt mit der Gesellschaft, aber eher auf Abstand. Die Unterstützungsangebote waren klar definiert, gleichberechtigte Standardlösungen für alle, Aufenthaltsdauer in der Regel eher länger. Das Kind musste zur Einrichtung passen. Stichwort: Regelkatalog, Konsequenzenkatalog und Stufenplan. Gleichartige Lösungen sind aber nicht für alle gleich gut geeignet.

Allmählich setzten sich individualisierte Dienstleistungen und Angebote durch. Die Institution passt sich dem Kind an – soweit, wie dies eben möglich ist, bei beschränkten Finanz- und Personalressourcen. Anhand einer Analyse von Bedürfnissen und persönlichen Voraussetzungen werden individualisierte Lösungen entwickelt, ambulante und stationäre Angebote werden durchlässiger und Daueraufenthalte sind eher die Ausnahme. Trotzdem ist es vielen Institutionen noch nicht gelungen, die Barriere zwischen Institution und der Umwelt so zu senken, dass sie ein integrativer Teil der Gesellschaft ist. Zuschauen statt mitgestalten? Welche Ressourcen sind für einen Systemwechsel notwendig?

Wäre es nicht an der Zeit, eine gesellschaftliche Entwicklung anzustreben, die genau diese Trennung aufhebt und die Übergänge fliessender gestaltet? Kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch von verschiedensten Angebotsformen mit ehrenamtlichen und professionellen Unterstützungsleistungen und mit ambulanten sowie stationären Anteilen? Das Ganze sehen anstatt einzelne Ausschnitte? So dass Zuschauer und Ersatzspieler zu Mitspielern oder sogar Spielentwicklern werden? Dafür müssten vermutlich die Spielregeln angepasst werden. Sich neue auszudenken ist aber gar nicht so einfach. Sie durchzusetzen noch viel schwieriger.

Letztlich profitiert die Gesellschaft davon, wenn alle teilhaben und Unterstützungsangebote flexibilisiert werden. Vorhandene Ressourcen können besser genutzt und Sonderleistungen reduziert werden.

Danke für die Möglichkeit der freien Verwendung (Creative Commons) an den Autor Angus Maguire und story-based strategy. Zurück